Uii, am Lichtenbergplatz war ich ja lange nicht mehr. Um so erfreulicher, dass sich hier weiterhin diverse kulinarische Optionen auftun und dies Linden typisch in lockerer, urbaner Atmosphäre. Ich treffe kurz vor halb sieben mit dem Fahrrad ein, es ist schon recht dunkel und kühl, dennoch sitzen etliche Leute draussen und genehmigen sich einen Feierabend Drink in relaxter Stimmung, herrlich. Wir gehen rein und die Servicekraft lässt uns freie Wahl, was den Tisch angeht, das geht fix und wir haben ein schönes Plätzchen im verhältnismässig kargen Gastraum, hier würde einrichtungstechnisch durchaus noch was gehen. Aber primär geht es ja ums Essen und so studieren wir nochmal kurz die Karte, ich hatte auf der Webseite ein „Special“ gesehen, ein Menü mit fester Vor- und Nachspeise sowie Hauptgang nach Wahl. Da aber die Vorspeisen meinem Freund Klaus nicht so liegen, wählen wir a la carte ohne Vorspeise und das erwies sich letztlich als goldrichtig, da die Portionsgröße beim Hauptgang zumindest für mich mehr als üppig war und ein kleiner Nachtisch möglichst auch noch passen sollte…
Der Knaller war natürlich wie fast immer die Weinauswahl. Wir fragen nach einem auf der Webseite aufgeführten, durchaus ambitioniert bepreisten französischen Weisswein, welcher natürlich und wie nicht anders zu erwarten, gerade alle war. Und die Servicekraft war nett und bemüht, holte dann aber doch ihren Chef, der uns die verbliebenen Optionen verkosten liess und so landeten wir bei einem Moselwein namens Blauschiefer von Carl Löwen, für mich ja etwas untypisch, da ich mit Riesling immer etwas hadere. Aber der Wein mundete vorzüglich und zu Hause genügte ein kurzer Blick auf die Webseite des Winzers zur Klärung, warum der so „rund“ war… es handelt sich nämlich um ein Cuvee aus Riesling und Rivaner (Müller-Thurgau), also kein Wunder.

Mittlerweile hat sich das Lokal schon signifikant gefüllt, die Servicekraft und der Chef haben gut zu tun, insgesamt dauert alles etwas, aber wir haben ja Zeit und bekommen zunächst einen kleinen Gruss aus der Küche, eine Espressotasse mit einem leckeren und heissen Kürbis-Süppchen, leichter Crunch durch geröstete Kürbiskerne, prima.

Bis zu den Hauptgängen dauert es dann wie gesagt etwas, aber das Warten hat sich doch wirklich gelohnt. Klaus hatte sich für Fisch entschieden, wobei der Chef bei der Bestellung darauf hingewiesen hatte, dass es Seeteufel statt des Steinbeissers gab. Ich hatte einen Fleischgang, Kalbsragout.



Ich war mit meinem Essen mehr als zufrieden, es war rundum lecker und geschmackvoll, das Ragout superzart und würzig und für mich als Artischockenfan auch der kleine Salat ein Gedicht. Eine reichliche Portion, wahrlich sättigend. Die Fischportion war etwas moderater dimensioniert, mundete aber ebenfalls bestens.
Nach einer weiteren Pause entschieden wir uns dann noch für Nachtisch, für mich das „wechselnde Mini-Dessert“, Klaus wählte Mousse au chocolat. Meins war letztlich eine verkleinerte Ausgabe seiner Wahl.


Fazit: Viel Licht und wenig Schatten! Eine kleine aber leckere Karte mit ein paar netten Bestelloptionen und einer handlichen Anzahl vegetarischer Gerichte. Keine Probleme mit Kartenzahlung und Trinkgeld. Servicekraft nett, könnte aber etwas mehr Produkt-KnowHow vertragen. Die Weinkarte ist arg übersichtlich, das Preisniveau zum Teil ambitioniert. Das Lokal könnte etwas gemütlicher sein.